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STURM.Warnung

Helden des Tages

 

Sturm.WARNUNG. Scho beim Mittagessen meld't de UNIQUA allerstärksten Gewitter.REGEN & Windböhen an die 100 km/h. Ned amoi an Hund schickst då nu vor de Tür.

 

Insa dahoam im Hinterwinkel is direkt am SALZ.Alpensteig g'legn. A 233 km långer Weitwanderweg über 18 Etappen von Bayern über Salzburg bis zum Hallstättersee. Gånz egal wia s'Wetter is - sobald die Tennengebirgs.Lawinen am Strubberg den warmen Frühlingstemperaturen nicht mehr stand halten, herrscht reges Treiben im Hinterwinkel.

 

Pilger & Wanderer. Studenten mit Zelt & Tramping.Rucksack.

Schulklassen, Mountainbiker - sogår

a Pärchen mit Alpakas im Schlepptau håt schon amoi mit mir gratscht.

Nicht zu vergessen: de gånzen sportlichen Kuchler,

de genau wissen wo i "der LIEBE sei Dank" hinkemma bin & heit Bäuerin sei deaf.

"Servas Barbara - geht's da eh guat...", erkundigt se da Oane oder Åndere jed's Fruahjår verlässlich nåch mir.

 

Ah Sunntåg Ende Oktober 2017 is gwen. Stockfinster is woan.

Da Sturm håt an Regen an die Terassentür peitscht & an Zwetschkenbam im Gårtn

håt's herbog'n, dass ins gånz ånders woan is. Weltuntergangs.STIMMUNG. Eindeutig.

 

"Mama - deaf ma a Roulade måch'n?", frågn de Diandl.

"Weg'n meina - miast's hoit ois a wenk auf d'Seitn schiabn

& an Gschirrspüler einramma. I håb hiatz nu ned Zeit, dass i enk helf'..."

 

De Fiaß auf'n Couchhocker hochglågert, en Kloan leg i ma zuawa.

Mei Göttergatte is a neama ansprechbår & håt se schon in sein "fortschrittlichen Landwirt" vertieft. 

A Viertl'stund POWER.Napping neban Still'n... kein Problem für an routinierten Profi wia mi.

Da Åbwasch lafft jå schließlich eh ned davon & bei dem Wetter is sowieso nix Gröberes mehr geplant.

 

Ah halbe Stund spater ziag da Rouladen.DUFT durch's Haus & de Kuchi is oiwei nu a Schlåchtfeld.

Durch's Stiagnhaus.FENSTER gwoa i, wia da Bewegungmelder vorm Haus ångeht.

 

Mitten im Weltuntergång suach'n drei PILGER an Schutz unter unserm Vordåch.

Große Tråmper.Rucksäcke am Buckel. Ah knallroter Wetter.FLECK leuchtet bis zu mir in ersten Stock auffa.

 

I geh åwi - måch vorsichtig de HAUS.Tür auf... & fråg den unangemeldeten Besuch,

ob's ned gern eina kemma mecht'n bei dem Sauwetter.

 

In meiner Kindheit am Kuchlbåch wår den gånzen Sommer lång "Urlaub am Bauernhof" die Devise.

Fremde Menschen, neue Sprachen & andere Kulturen lösen bei mir keinerlei Berührungsängste aus.

 

Im Stiagn’haus nemmans de Kopfbedeckung åb. Südländische Typen… des siag i auf’n ersten Blick.

„Vielen Dank…“, sågt da Oane – in gutem Deutsch mit am spanischen Akzent. Håb i mi oiso deacht ned täuscht.

Muttersprache ist scho wås B’sunders. Sie offenbart etwas Unverfälschtes. Die einzigartigen Wurzeln.

 

Ob’s vielleicht an Kaffee mecht'n? So schnell werd' des Wetter ned umschlåg'n.

 

Es stellt sich heraus: lauter Briada aus Spanien, um genau zu sein aus der Provinz Katalonien,

håb'n bei uns Zuflucht g‘fundn. Auf Besuch in Österreich, weil: da Jüngere studiert in Wien

& spielt bei den "Wiener Philharmonikern". Treffpunkt für ein lang ersehntes Wiedersehen

unter Geschwistern: im schönen Salzburger.Land - und dånn glei nu a påar Meter auf’n Salzalpensteig mit dazua.

Dass ma då auf’s Wetter ned so vü Rücksicht nemma kånn, versteht se von alloan.

 

In da Keksdosen find't se no schnell a Hånd voi „Hildegard-Keks“ & zu ana Tassen Kaffee

sågn'ans a ned "Na". Außerdem håb i im Kåstn „akrat“ de passenden Servietten.

Eigentlich gibt’s Spruch.Servietten vorzugsweise in der Praxis… åwa „Held des Tages“

passt jå schließlich ah zum Wandern im schlechtesten Pilger.WETTER aller Zeiten.

 

Deutsch kånn nur der Violinen.Student aus Wien.

In Spanien - "Dahoam", bei da Mama - gibt’s noch eine weitere Schwester sowie zwoa Brüder,

erzöht a ma zwischendurch. I muaß direkt schmunzeln & denk ma bei mir selbst:

„Des årme Diandl. Unter fünf Brüdern aufwåchs’n… na servas.

Hoffentlich håt de werte Frau Mamá ihre Buam ned zu verwöhnte Halbmacho’s erzogen…“

 

Nåch ana halben Stund låsst s’Wetter schen långsam nåch.

Da Kaffee håt gschmeckt, aufg’wårmt sans a wieder.

Und gestärkt mechtn's hiatz des letzte Stück Weg für Heit in Angriff nemma.

 

„Vielen herzlichen Dank. Darf ich bitte gerne eine Serviette mitnehmen – als Erinnerung.“

Vom Gespräch am Küchentisch håb i nix verstånden. Katalanisch is a besonderer Dialekt,

den nur mehr eine Minderheit spricht. „Meine Brüder haben gesagt, es war genau so schön bei Ihnen,

wie daheim in Katalonien bei unserer Mama…“, låsst mi da Geigenspieler zu guter Letzt nu wissen.

Dånn san’s a scho wieder draußen bei der Tür.

 

Mittlerweile is die Roulade a fertig. Da Kloane schlåft seelenruhig auf sein Schaffell in da Geh.Schuih

& de Diandln bringand ma a Stück lauwarmen Sonntagskuchen. Mit Schlåg. Oafåch – åwa richtig guat.

 

„Gell Mama, eigentlich kånn zu ins ned oafåch a Besuch kemma.

Weil bei ins is nia richtig schen zåm’krammt…“, sågt unser Junior

& sitzt se mit sein zweiten Stück Biskuit.Roulade neben mi auf de Couch.

 

„AUTSCH“... - denk i ma. Hiatz håst mi dawischt.

 

I schluck åwi… mitten ins Herz is des hiatz eini g'flutscht.

„Vo de Kinder & von de Rauschigen erfoåhrst de Wahrheit…“, håt scho mei Mama oiwei gsåg.

 

Und dånn schau i mi um. Tatsächlich.

 

De Fenster zoag'n eindeutig Spuren von vier g’sunde Kinder. Da Fuaßboden is weder gråd frisch g’saugt –

geschweige denn aussi’gwischt… a bunte Vielfalt an Lego, Schleichtiere, BRUDER.Traktoren -

a de oane oder åndere Sockn etc. ziert sche sorgfältig verteilt unseren Parkettboden,

vom Wohn- über’s Esszimmer bis fåst in de Kuchi aussi.

 

Nåchdem unsere Kinder wissen, dass bedingungslos geliebt werden, håt a des Verbot

„NUTELLA wird nicht geklaut & scho glei går ned im Wohnzimmer auf da Couch `gessen!!!“

ned einwåndfrei funktioniert – natürlich während Mama & Papa, so wia jeden Åbend, die Stallarbeit verrichten.

Ein Schokoladenfleck verschönert die Armlehne… so ein Schandfleck – des geht oafåch nimma aussa.

 

Da POST.Stapel deafat a wieder moi sortiert werden.

Vorm Nähzimmer türmen se drei ACHT.Tausender an Bügelwäsche…

& vom Teppich rundherum siagt ma zu dera Zeit meistens a nur de Hälfte,

weil tatsächlich nur des Lieblings.T-shirt des Richtige is.

Da kånn schon moi wås daneben fållen, bei der lebensrettenden Suche.

 

Wånn i ma denk, dass ma ohne Schuldenberg åwa dafür in a Bauernhaus mit Geschichte einzogen san.

Ois junge Familie. Es håt ziemlich vü Geduld, Zeit, Fleiß & oftmois a Nerven braucht.

Bis då ois & JEDER sein Plåtz g'funden håt. Då kunnt so månche Bäuerin an Roman schreiben.

 

„Woast Florian, bei uns is immer sche gnuag – und de Leit, denen då wås ned passt,

de brauchen goa ned kemma zu ins.“, såg i drauf.

Nåchdem i oamoi tiaf durchg'schnauft & mein Blick auf ois glenkt håb, wås wirklich zählt.

 

Vier kerngesunde Kinder. A Ehemånn an meiner Seiten, der woaß,

dass uns ois Familie nur dånn guat geht, wånn de Frau "Mama" sein deaf.

Und ned nur a Jungbäuerin, de in a vorgezeichnete Rolle zum Schlüpfen håt.

 

G'sunde Kinder & a gesundes "Frau.SEIN" kånn ma se schließlich ned kaffn.

 

Zwår kunnt i ma neben meine Aufgaben in Haus & Hof durchaus a Putzfrau gönnen oder leisten...

Jå & es gibt sie anscheinend tatsächlich: jene Sorte Bäuerin & Hausfrau,

für die es scheinbår sowås wia YOGA is – wenn jeden Tag bis in den letzten Winkel alles

auf Hochglanz poliert wird. Des deaf ma durchaus honorieren – es is jå schließlich,

neben all der antrainierten Routine, a mehr oder weniger ZEIT.aufwendige Beschäftigung.

 

Und wer ned g’spiarig is, dem kriacht a nix unters T.shirt, wås fein säuberlich

- zwecks der Wahrung des Idealbildes einer BILDERBUCH.Familie -

gekonnt untern Teppich g’kehrt wordn is. Ein 1:0 für die perfekte Fassade.

Wer zåm’ramt ... is ned so leicht ångreifbår.

 

Wer hiatz glaubt, dass deswegen automatisch mehr GLÜCK oder Kreativität in einem DAHEIM wohnt,

wenn an 365 Tagen, 24/7 absolut ALLES wie aus dem Ei gepellt glänzt, hat weit gefehlt.

Mit einem geübten Blick bröselt die Fassade da & dort trotzdem.

 

Då braucht der Mensch manchmal ned nur Humor - sondern ah an guad'n Mågn.

Oder wia die TCM immer so sche sågt: eine starke MILZ & eine stabile Mitte.

 

Die absolute PERFEKTION bis ins letzte Detail liegt mir tatsächlich nicht im Blut.

I schlåf a dånn guat, wenn "5" oafåch moi grad sei deaf. Und glücklicherweise håb i a nu jede Menge

andere Qualitäten von meiner Mama & Oma in die Wiege g'legt kriag, die ich für kein Geld der Welt missen möchte.

Nicht davon Laufen z.B., wenn's eigentlich zum davon laff'n is.

 

Außerdem ist der Perfektionismus eine zu 100 % männliche Qualität. 

KREATIVITÄT hingegen ist weiblich – durch & durch. Und alles wahrnehmen können, was an Fülle da ist.

Vom perfekten CHAOS zur kreativen Ordnung ist übrigens auch in der Trauer ein sehr guter Leitsatz.

 

Ausreichend Mutter.MILCH produzieren können –

die Kinder durch’s Zahnen & durch so manche schlaflose Nacht 

in Geborgenheit zu begleiten. Gespräche am Küchentisch, die Werte & Haltung vermitteln.

Zu Allererst außerdem ...leicht schwanger werden dürfen. Keine Selbstverständlichkeit.

 

An einem gelingenden Miteinander auf einem Landwirtschaftlichen Betrieb kann man nur weiterbasteln,

wenn alles SEIN darf. Die Freude am neben- & miteinander Werkeln - genauso aber auch das Bedürfnis nach Erholung,

wenn anstrengende Pilgerstrecken bewältigt werden müssen. Sonst brennt früher oder später die Seele aus.

 

Mit'n "Reinwaschen" oder "Schen-putzen" kimmt ma auf lange Sicht gseh'n ned weit.

Und auch an selbstbestimmte, kraftvolle Geburten kann man leichter anknüpfen,

wenn familien.systemisch in puncto „unversehrtes Frau.SEIN“ keine nennenswerten Stolpersteine vergraben liegen.

 

Humor. Selbst mitten im Scherbenhaufen einen Funken LICHT wahrzunehmen, wia beim Blick durch ein Kaleidoskop.

Und Potenzial. 

 

In meiner Praxis im Hinterwinkel dreh'n sich die Themen um das "ganze normale Leben".

  

Für jedes "Frauenbild" zählen andere Prioritäten, solange die Kinder noch klein sind.

Wenn man dabei sein Bauchgefühl nicht verliert & der Humor nicht komplett verschüttet wird.

Wenn Frau WEG.Begleiter findet, damit in puncto Körper, Geist & Seele alles rund läuft: JACKPOT.

 

NIX im Leben ist bloß blinder Zufall. Weil wir immer ernten dürfen was wir säen.

Was wir als Frauen in unserer Familie an Werten & Prioritäten gestalten, ist ein SAME.

Und jeder Same enthält die DNA für einen großen, mächtigen Baum. Manchmal reifen Früchte heran,

deren Süße selbst den zufälligen Wanderer am Wegesrand an ein kleines Stück "Daheim" erinnern. 

 

Je größer die Kinder werden, umso geschmeidiger verteilen sich die Aufgaben. Es spielt sich ein.

Die Wände bekommen einen frischen Anstrich. Ausnahmslos JEDER weiß, wie ein Staubsauger funktioniert

oder wo das Fensterputz.Mittel versteckt ist. Ja sogar die anfänglichen Sorgen bzgl. einer genetisch bedingten Farb.BLIND.heit - bezogen auf's Sortieren der Schmutzwäsche - hat sich in Wohlgefallen aufgelöst.

 

Und scheinbar ganz zufällig & fast nebenbei ist die LIEBE zum Kochen

– die Freude, dass etwas "richtig guad" schmeckt & nach „WIEDERHOLUNG“ duftet – gewachsen.

Alles das sind Samen, die eine Mama säht.

 

Sobald man auch nur den ersten Schritt über die Schwelle eines neuen Hauses wagt -

es gibt Familien.REZEPTE, die erschnuppert man gleich im aller.ersten Augenblick. Ohne Zweifel.

Man erkennt blind, was Sache ist. Mit dem Herzen.

 

LIEBE ist eine wichtige Zutat. Liebe spürt man. Vom ersten Moment an & unverfälscht.

Da & Dort wird man ehrlicherweise feststellen: „Mia san vielleicht doch ned gånz aus’m gleichen HOIZ…“

Oder auch: "GOTT sei Dank bin ich mit dir nicht verwandt."

Und das Beste an alledem: jeder darf nach der eigenen Fasson glücklich werden.

 

Das unverfälschte GLÜCK jedoch... - es hat Wiedererkennungs.WERT & überdauert alle Gehzeiten.

 

"Am Ende eines jeden Tages ist nur wichtig, dass ein schöner Moment dabei war

der dich lächeln ließ." - is letztens als Zitat am Briaf.Umschlåg vo mein Osteopathen g'stånd'n.

 

Am Ende sollen wir mit Erinnerungen heim gehen, die uns wie eine warme Patch.WORK.Decke den Rücken wärmen.

Und besondere Geschichten & Erlebnisse wärmen mich allemal mehr als falsche Erwartungen an mich selbst.

 

Und irgendwånn… - werd ma dånn Helden sein.

 

Herzlichst - eure Barbara